So, Dec 15, 2019

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Pilgern - Ich hatte gelesen, was Hape Kerkeling darüber geschrieben hat. Sonst kannte ich noch niemanden, der schon mal gepilgert ist. Aber die Idee fand ich faszinierend.

Anfang des Jahres schwärmte ein Freund meines Mannes von seiner jährlichen Teilnahme an den Pilgerwanderungen nach Heimbach und bezeichnete sie als das Highlight seines Jahres. Das hat mich beeindruckt und neugierig gemacht.

Erst hatte ich noch Zweifel. Eine Wallfahrt, das klingt schon sehr fromm. Passt das denn zu mir? Auf der Webseite habe ich dann gelesen, dass man nicht katholisch sein muss und dass auch schon Protestanten und Muslime mitgegangen sind. „Jeder der sich darauf einlässt ist willkommen.“ Das hörte sich tolerant und offen an und hat mir gefallen.

 

Also habe ich angerufen, mich angemeldet und stand am Tag als es losgehen sollte um 4:45 Uhr mit Übernachtungsgepäck vor der Kirche in Lich-Steinstraß. Viele fremde Gesichter kamen auf mich zu und begrüßen mich freundlich. Ich war etwas verwirrt, aber gespannt und fest entschlossen, alles mitzumachen, was auf mich zukommt.

Die Gruppe bestand aus knapp 30 Personen, eine bunte Truppe aus Jung und Alt, davon 2 Neupilger. Viele der anderen nahmen zum wiederholten Male teil, waren dadurch untereinander vertraut, zum Teil auch verwandt.

Dann ging es los: Laufen, Laufen, Laufen - begleitet von anregenden Gesprächen, gemeinsamen Gebeten, gedankenverlorenem Schweigen und unterbrochen von Wasser- und Essenspausen. Mit der Erschöpfung veränderten sich die Gedanken. Das Laufen nahm immer mehr Raum ein, sodass für Grübeleien kein Platz mehr blieb. Der Kopf leerte sich. Und der Stolz wuchs. Ich, die ich noch nie mehr als 20 km hintereinander gegangen war, hatte abends die 47 km geschafft. Der Körper schmerzte, aber der Rest war selig. Gemeinsam mit ein paar Mitpilgern noch was essen und trinken, dann war alles gut und der erste Tag geschafft.

Am Samstag vergrößerte sich unsere Gruppe nochmal um viele Familienangehörige und Freunde, die nur für den Samstag angereist waren. Als große Gruppe besuchten wir die Pilgermesse am Morgen und stiegen anschließend gemeinsam betend den Kreuzweg zur Abtei Mariawald auf. Oben angekommen dankten wir für die diesjährige Wallfahrt und die, die wollten, schlossen diesen Teil mit der berühmten Erbsensuppe im Koster ab.

Der Rest des Tages war bis auf die Abendmesse unverplant. Gesellige Waldspaziergänge, das Pilger Café oder Zeit mit den angereisten Familienangehörigen, jeder konnte selbst entscheiden, was der Erholung am meisten diente. Da Heimbach aber nicht groß ist, trafen sich die vertrauten Kleingruppen auch so überall wieder.

Sonntagmorgen ging es um kurz vor 7 wieder auf den Rückweg, die gleiche Strecke wieder zurück, aber die Füße wund und im Ganzen bei weitem nicht mehr so frisch wie am Freitag. Ein Schritt nach dem anderen, von einer Wasserpause bis zur nächsten, von einer richtigen Einkehr bis zur nächsten, so ging es stetig voran. Und wenn gar nichts mehr ging, gab es in den Begleitfahrzeugen Hilfe bei der Überbrückung kleiner Schwächephasen.

Und irgendwann war es nicht mehr weit bis Lich-Steinstraß. Die Spannung stieg, man hörte schon von weitem die Kirchturmglocken, die uns ankündigten. Vor der Kirche wurde die Straße gesäumt von Anwohnern und Angehörigen die uns zuwinkten und anerkennend applaudierten. Das war sehr berührend nach all der Anstrengung. Da ist mir auch klar geworden, dass diese Pilgerwanderung nicht nur eine persönliche Bedeutung für mich hatte, sondern diese Wallfahrt auch tief verwurzelt im Gemeindeleben von Lich-Steinstraß ist. So zogen wir in die Kirche ein und brachten diese besonderen Tage zu einem wirklich schönen Abschluss.

Cornelia T.

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